Der Siebenfahrer im Sarntal und seine Geschichte

Siebenfahrer, Relief über der Eingangstueree

Stuckrelief über der Eingangstüre (rekonstruiert 1956 – vorher)


Der Siebenfahrer, gegenüber vom Eyrnberger her gesehen, August 1999

1288 Als Sibenvorhen erwähnt
1434 Chuenz Sybenvorcher
1470 Michel Sibenvorcher
1466 Erwähnung der Grenzen
1552 Christof Sibenfarcher
1624 Bau: Caspar Sibenforcher paut den Sibenforcherhof.
1661 Sein Sohn Jakob Siebeförcher (*1.2.1626) übernimmt den Hof.
   ?    Urban Stuefer (†1731; ∞ Christina Anewein)
1731 Seine Erben
1736 Josef Stuefer (∞ Maria Waldprunner)
1742 Mathias Thaler
1744 Josef Gänsbacher
1753 Andreas Gänsbacher (∞ Gertraud Länner)
1766 Elisabeth Oberrauch (∞ Anton Passeier)
1773 Peter Oberhöller (∞ Ursula Schaller)
1774 Sein Bruder Blasius Oberhöller
1777 erwähnt als »Sibenfärcherhof, Gemain Niderwangen«
1795 Sein Sohn Bartlmä Oberhöller (∞ Gertraud Aster)
1798 Josef Oberkalmsteiner
1798 Josef Zeggeler
1802 Anton Niederstätter
1824 Anton Gänsbacher
1840 Peter Hofer
1846 Jakob Hofer
1848 (?) Josef Streiter und Anne Zelger
1867 Joachim Mayer (*1823, †1893; ∞ Maria Mayr)
1893 (6. 7.) Georg Kritzinger (Schweitzerhofwirt in Sarnthein, heute steht dort die Raiffeisenkasse) und Dr. Franz Kofler ersteigern den Hof.
1902 (25. 4.) Kritzinger wird Alleinbesitzer
1917 Familie
Hödl
1987 Hödl und Jörn (Enkel Hödls). Die Lentsch geht an Spraiter.
2010 24. Mai: Der geschlossene Hof geht ganz auf Fritz Jörn über. Die »walzenden Wälder« bleiben Gemeinschaftsbesitz.

Der Siebenfahrerhof und seine Geschichte nach 1900

   Der »Siebenfahrer«-Hof, oder kurz und schön der »Siebenfahr«, liegt in der Fraktion Niederwangen im Sarntal in Südtirol. Wie man mit dem Auto hinkommt, und welche Wege ins Sarntal führten, habe ich separat beschrieben.
   Italienisch wurde der Hof »Settecarri« genannt, dabei hat der deutsche Name sicher nichts mit sieben Wagen zu tun. Die Sieben wird wohl auch wie im Namen der »Sefen« auf der anderen Seite des Tanzbachs von ›seb‹, heilig, her kommen; und die »Fahrer« sind eher Föhren (Förchen) gewesen.
   Kartographisch ist der Siebenfahr Teil der Katastralgemeinde Sarntal, Mappenblatt 127, Bauparzelle 408, Einlagezahl 364/I; geographisch auf 11,38° Ost und 46,59° Nord in einer Höhe von 918 (od. 923) Metern über dem Meer gelegen.
   Die Post kommt nach »Niederwangen N° 13, I-39058 Sarntal« überhaupt nicht – sie wird dreimal wöchentlich unten an der Tanzbachbrücke eingeworfen oder bleibt in Sarnthein zum Abholen im Amt.
   Das Festnetz-Telefon (+39-)0471-62 3 1 68 funktioniert, außer vielleicht nach einem Gewitter. (Die Null bei 0471 muss aus dem Ausland immer mitgewählt werden. Und nach einem Gewitter braucht’s eine flinke 1-A-Sicherung.)
   Der Siebenfahrer wird erstmals 1288 als »Sibenvorhen« erwähnt,
mehr darüber weiter unten.
   Der Hofgeschichte bin ich zunächst über das Grundbuch nachgegangen, beim Bozner Grundbuchamt in Gries, Duca-d’-Aosta-Straße 40. Dabei geht es genaugenommen um den »geschlossenen Hof«, den Anton Hödl – mein Großvater – am 28. Juli 1954 aus Angst vor Enteignung vom größten Teil des umgebenden, jetzt also »walzenden« Waldes abgetrennt hatte. Im großen Lederband sah ich mir die Grundbuchseinlage 364 aus dem Sarntal (»Sarnthal«) an, deren Eintragungen um die letzte Jahrhundertwende beginnen. Es wird Bezug genommen auf eine Einräumungs-Urkunde vom 6. Juli 1893 Folio 393 und die wortgleiche (aber schöner geschriebene) aus Bozen vom 18. Dezember 1893 Folio 3267, sowie die Übertragungen vom 13. April 1901 Folio 122 und 25. April 1902 (nicht 1903!). Jedenfalls wird ersichtlich:
   Georg Kritzinger ist kurz nach der Jahrhundertwende alleiniger Besitzer. Kritzinger war der angesehene Wirt vom Schweitzer-Hof in Sarnthein – am Kirchplatz steht dort seit 1990 die
Raiffeisenkasse. Er verkaufte am 1. Juli 1919 (Zahl 123) mit Kaufvertrag vom 22. November 1917 den Siebenfahrer – damals »Sarnthein Umgebung N° 12« – für 60.000 österreichische Kronen – davon die Hälfte Hypotheken – an Anton Hödl.
   
Anton Hödl, geboren am 19. Dezember 1881 in Wilten bei Innsbruck, gestorben neunzigjährig am 1. Februar 1972 in Bozen, begraben in Sarnthein (seine Memoiren mit Bild hier), war im ersten Weltkrieg als österreichischer Offizier mit »Signum laudis mit Schwertern« am Monte Erio stationiert gewesen. Während einer »Retablierung«, einem Fronturlaub, im Hotel Greif in Bozen am Waltherplatz hatte er im »Tiroler Grundstücks- und Hypothekenmarkt« (oder so ähnlich) über den Siebenfahrer gelesen.
   Unter Hödl teilten sich den Besitz zunächst Heinrich (»Harry«) Fillunger, der Schwager Anton Hödls, zur Hälfte; je ein Viertel besaß Anton Hödl und seine Frau Mariann(e) Elisabeth Hödl, geborene Fillunger (19. November 1891 in Orlau, Böhmen; gestorben 79-jährig am 19. Juli 1971 in Salzburg, ebenfalls begraben in Sarnthein).
   Der Pachtvertrag mit Karl Kofler vom 26. Juni 1926 nennt richtig Anton und Mariann Hödl in Graz sowie Dr. Heinrich Fillunger in Bombay als Besitzer.
   Am 26. Oktober 1934 (Vertrag vom 8. Oktober 1934) ging Harrys Hälfte für 60.000 Lire und einen »wesentlichen ›schwarzen‹ Zuschlag« (Hödl-Memoiren) an die beiden Hödl-Kinder Heinz Hödl (geboren am 4. April 1915 in Mährisch-Ostrau) und Mariann(e) Lore Hödl (»Marianne II«, geboren am 13. August 1919 in Wittkowitz), später verwitwete Jörn und wiederverheiratete Spraiter. Der Schreiber,
Fritz Jörn, ist ihr ältester Sohn, geboren am 30. November 1941 in Brünn. Mein Großvater Hödl hatte den beiden anderen Fillunger-Erben, Irene und Harry, ihre Erbteile bar ausgezahlt; Iren kaufte sich davon das »Haus Michael« in der Schwarzseestraße 20 in Kitzbühel.
   Ebenfalls 1934 wurde das »Zimmerhüttl« gebaut, mit einem Backofen und Holzleg im Erdgeschoss, Tischlereinrichtung und Wäschetrocknung oben.
   Nach dem zweiten Weltkrieg,
um 1950, wurden im Sarntal von der staatlichen Elektrizitätsgesellschaft Enel (Ente Nazionale Energia Elettrica) zwei Staustufen und zwei Wasserkraftwerke gebaut, das obere oberhalb Bundschen unter dem Gasthaus Fichter (dazu hässliche Wohnblocks), das untere in Bozen an der Sankt-Anton-Straße fast zu Füßen Runkelsteins. Das Wasser der Talfer und ihrer östlichen Zuflüsse, darunter auch des Tanz- und Osterbachs, wird durch unterirdische Stollen zugeführt. Am Siebenfahrerhof führten die unterirdischen Sprengungen zum Ausbleiben der Quellen (jedenfalls machte Großvater das geltend) und 1951 zum Bau einer 2200 Meter langen Wasserleitung (1800m Zuführung, 60cm tief, 60cm ø; 400m Druckleitung, 70cm tief, 70cm ø) mit zwei Talüberführungen von der Quelle im Engen Tal und im Schindelwandtal unter dem Italienerweg bis zum Hof. Zugleich wurde die 860 Meter lange Oberflächen-Holzwasserleitung vom Brandtler zum Siebenfahr aufgelassen. Keine Holzrohre mussten mehr mühsam aus Baumstämmen gebohrt werden. Strom kam und löste Karbid- und Petroleumlampen ab. Ab 1960 gab es eine inzwischen wieder aufgelassene zusätzliche Wasserzuführung aus dem Osterbach unter Gießmann.
   Anfang 1950 wurde für 165.000 Lire eine eigene kleine elektrische Mühle von Fuchs und Rogger, Sexten, im Wohnhaus rechts neben der Küche (heute die Waschkammer) installiert – Strom war damals also schon im Haus. Der Göpel (»Göbbel«) oberhalb des Stadels – Freude aller mitfahrenden Kinder – wurde funktionslos.
   Telefon kam erst 1964 – nach dem Krieg hatte es ins Sarntal nur eine isolierte Telefonleitung mit fünf Sprechstellen gegeben; die Bozner war im Fahrkartenschalter des Postautos (
SAD, Società Autonoma Dolimiti) im Weißen Rößl in der Bindergasse, die anderen im Tal. Je nachdem, wie oft man kurbelte, war ein anderer Teilnehmer gefragt.
   Unter Anton Hödl wurden am Siebenfahrerhof die Noag-Wies am Osterbach (Parzelle 1800), die Anger-Wies unter dem Fahrweg beziehungsweise unter dem Winterwasser (1814 unten, 1815 oben, 8184 alte Straße dazwischen), das separate, südliche Anreuthel (1827 Acker, 1825 Wiese darunter, heute dort Hochspannungsmast 112), der Hundskragen und ein Teil der Wasendraht davor (1802) aufgeforstet, ebenso im Wald die obere Wies’ (mit Holzkreuz und flachen Gedenkstein an die damaligen vier Besitzer) und die Brunnwiese an der Grenze zum Haselbrunn-Wald, die zur Lentsch gehörigen untere Wiese [Parzelle 716], die Rastler und das Lägerle sowie die damals unbewohnte Lentsch selbst (im Jahr 1956; Parzellen 717, 718, 219, 220).
   Die Lentsch war ein eigener Hof auf 1440 Meter und zuletzt eine schindelgedeckte Jagdhütte, oberhalb Schlögg (1177 m). Der letzte Bauer war angeblich um die Jahrhundertwende nach einem Viehverkauf umgebracht worden. Heute ist die Lentsch im Besitz der Familie Spraiter (Gießmann N° 12, I-39054 Ritten).
   Im Jahr 1953 wurde am Siebenfahrer der Stall »unter« dem Stadl neu gebaut und dafür der Stadl angehoben. Das ursprüngliche Strohdach wurde 1969 für 1,6 Millionen Lire durch Welleternit ersetzt – Stürmer Hans (er wohnte auf Schlögg) war mit dem Strohdecken nicht mehr nachgekommen, die speziell dünnen Garben waren immer schwerer zu bekommen gewesen.
   Zur Erinnerung die Flurnamen (siehe Luftbild mit Parzellen): Die aufgeforsteten Wiesen Noagwies (Parzelle 1800) am Tanzbach, Angerwies mit Winterwasser unter der Hödlschen Fahrstraße (1814, 1815, 8184) und der Acker Anreuthel (1827, 1825; »Reuthel« von roden) wurden schon erwähnt. Südlich des Hofes liegt die Lehen (sprich »Lechn«), die untere (1816) unter dem ebenen Zufahrtsweg, die obere (1818) darüber; oberhalb des »Haselbrunn Kirchwegs« die Raut (1822, 1823; »Raut« von Rodung); direkt ober dem Hof das Etzel (1808; »Etz«, »Etzn«, »Etzl« wie »Ötzl« ist ein eingefriedeter Weideplatz, vgl. atzen); unter dem Hof die steile Leite oder Leitn (1811); dahinter nordwärts unten, aufgeforstet, die Wasendraht (1802). »Draht« ist ein zur Wiese gewordener Acker, Wasen steht für Rasen. Nördlich des Stadels der recht ebene Weizacker (1803) und ober der Zufahrtstraße der Langacker (1804); ganz oben die Ebenwies (1807). Anfang der 50-er Jahre – siehe auch meine Erinnerungen dazu – hatte Pächter Luis Spögler je zwei Knechte und zwei Mägde (selbst ging er gerne auf die Jagd); die Äcker wurden mit dem Pferd bebaut, Weizen, Roggen, Gerste, Hafer in Fruchtfolge, oft Plenten (Buchweizen) über den Winter, Kartoffeln, Mohn – dieser am fernen Hundskragen, damit wir Kinder dort nicht spielten. Dreimal täglich wurde die Glocke geläutet, wenn zum Essen gebetet wurde, am Freitag viermal und bei Gewitter; eine Kordel führte von vor der Stube bis zum Dach. Die Glocke hatte Karl Kofler schon nach Nordtirol mitgenommen; Großvater kaufte sie zurück. Einmal im Monat wurde Brot gebacken, ein paar frische Vintschgerln, der Rest trocknete am Dachboden zu Schüttelbrot. Die »alte Kastanie« muss schon Jahrhunderte stehen. Sie hat einen Durchmesser von 2,33 m (2000).
   Vom 16. März 1964 bis zum 31. Oktober 1964 baute Großvater Hödl die erste auch für Autos fahrbare Straße auf den Hof. (Ich fuhr das erste Auto herauf, seinen Fiat 1100er!) Die Straße führte auf der Sonnseite etwa entlang dem alten Weg, begann aber oberhalb bei der früheren Autogarage der Hödls am Tanzbach und verlief dann weniger steil mit einer Kehre im »Wüsten Tal« (das hieß seit einem Holztrieb zu Anfang des Jahrhunderts so). Eine Verlängerung reichte bis Haselbrunn.
   Die heutige asphaltierte Gemeindestraße über die Schattseite führt seit 1987 bis zum Hof und seit 1988 bis Schlögg.
Am 4. März 1988 wurde ein Teil des Hauses, die alte Küche, unter Denkmalschutz gestellt. Das Treppenhaus wurde um 1980 gedreht, damit für Spraiters die untere Wohnung mit einer Zwischentür abgetrennt werden konnte. In der ganz lärchengetäfelten Stube im Erdgeschoss, laut Tür aus dem Jahr 1830, hat ca. 1980 der Sarntheiner Tischler Luis Spögler eine praktische Kochzeile eingebaut.
   Pächter beziehungsweise dauernde Bewohner des Siebenfahrerhofes waren unter Hödl von 1926 bis Ende Oktober 1943 für 2500 Lire im Jahr Karl Kofler (an Ziegen durfte er laut Vertrag höchstens zwanzig halten), danach bis zum 2. November 1954 sein nicht »ins Reich« abwandernder entfernter Verwandter Alois (Louis, Luis) Kofler (vom Schusterhof gegenüber stammend) auf Halbpacht, dann Noë Spögler, der zuvor viel in unserem Wald gearbeitet hatte (Pacht: 37 Prozent der Erträge), ab November 1967 für 500.000 Lire in Jahr der alte Paul Innerebner genannt Urstätter, der die Haselbrunn-(Nachbars-)Tochter Klara geheiratet hatte. Es folgten 1970 Georg Priller (bis Jörgi [Georgi], den 23. April 1980, zunächst 320.000, dann 240.000 Lire im Jahr), dann die Spraiters und ab Mai 1987 Familie Florian Kofler (nicht verwandt mit den vorigen Koflers). Seit Juni 2006 sind Igor Rainer und Martina Werth am Hof.
   Nach dem Tod von Marianne und Anton Hödl (19.7.1971 und 1.2.1972), einigen familiären Verwerfungen und einem gerichtlichen Erbstreit mit »Marianne II« ging der geschlossene Hof (nicht so der Wald) Ende 1987 je zur Hälfte an Heinz Hödl und Fritz Jörn, die Lentsch wurde abgespalten. Inzwischen, nach dem Tod von Heinz Hödl (4. 4. 1915 – 10. 2. 2002), besitzen den Siebenfahrerhof sein Sohn Maximilian (¼) und Fritz Jörn (¾).
Das Testament der Hödls siehe unten.

Die Geschichte des Hofes vor 1900

   Wir aber wollten weiter in die Vergangenheit blicken. Dazu sucht man in Bozen das Landesarchiv auf (Chef Dr. Josef Nössing, hilfreich Gustav Pfeifer und Christine Roilo, E-Mail Landesrachiv@Provinz.Bz.It, montags Ruhetag, 12.45–14.15 Mittag), im selben Haus wie die Teßmann-Bibliothek (Tel. 0471-271872, Mo–Fr 9–19, Sa 9–12.30) in der Armando-Diaz-Straße N° 8 in Gries. Die alten, ledergebundenen Grundbücher heißen in Tirol »Verfachbücher«, von mittelhochdeutsch verfâhen, in der Bedeutung von verfangen, also schriftlich festhalten. Man muss aufpassen, zwischen »Sarnthein« und »Bozen« jeweils das richtige zu bekommen, denn der Siebenfahrer gehörte vor etwa 1900 zu Bozen.
   Im Verfachbuch Santhein 1867 findet man auf Seite (»Folio«) 2499 eine Eintragung vom 10. März 1867. Sie ist wortgleich mit der aus dem Verfachbuch Bozen 1893 Folio 3267.
   Georg Kritzinger, Wirth in Sarnthein (Das th fiel erst bei der ersten deutschen Rechtschreibreform 1901 zugunsten des t ohne h, nur nicht bei Thron und Sarnthein ...) und Dr. Franz (von) Kofler in Meran sind mit 5320 Gulden die Ersteigerer, Meistbieter (»Maistbiet«) für den Siebenfahrer und ab dann je zur Hälfte dessen Besitzer. Das Geld geht ganz auf die Hypotheken des Hofes drauf.
   Zum Hof gehörten 1867 noch die Lentsch (1987 abgespaltet,
s.o.), ein damals bewohnter Hof auf 1440 Metern, mit oberer und unterer Wies, Rastler und Lägerle. Unten im Tal gehörte die Fitsch (auch Fietsch oder Fitschergrund geschrieben) dazu, die 1926 unter Anton Hödl abverkauft wurde. Eine schöne und gut lesbare Aufstellung der Liegenschaft findet sich im Verfachbuch Bozen von 1905, Folio 3353. Die Eintragung vom 28. April 1902 beschreibt das Ausscheiden Dr. Franz v. Koflers, Advokaten in Bozen, für 9000 Kronen zu zehn gleichen Jahresraten. Außerdem übernimmt der Käufer, »Gasthausbesitzer in Sarnthein«, die Hypotheken. Er lässt Kofler für 400 Kronen »wie bisher« ein Wohnrecht in zwei Zimmern, einer Küche und dem Keller, dazu das Jagdrecht. Dieser verpfändet es für 400 Kronen bei der tiroler Landeshypotheken-Anstalt. Die Hypothek wird erst 1919 gelöscht (Eintragung C 7 im Grundbuch).
   Der Has(e)lbrunn-Hof wird grundbücherlich am 20. Dezember 1913 vom Siebenfahr abgespalten. (Zahl 1780, Grundbuch C 6, neue Einlageziffer für Haselbrunn 635 II). Am 24. April 1848, Folio 307, Verfachbuch Bozen, ersteigern die Siebenfahr-Besitzer Josef Streiter (vielleicht der Bürgermeister von Bozen, denn der hieß auch so) und Anna Zelger den Haselbrunn-Hof laut Kaufbrief vom 25. November 1844 Folio 899, von einem Vorbesitzer Johann Egger. (Ob es um den ganzen Hof geht oder nur um Weiderechte, habe ich nicht ganz verstanden!) Haselbrunn hatte jedenfalls seit 1848 ein Weiderecht für 32 Schafe und Ziegen (!) im Siebenfahr-Wald (Grundbuch C 1), dazu für fünf Kühe (C2) im Lentschberg auf Waldweiden. Diese Rechte wurden 1913 gelöscht.
   Angeblich wurde am Siebenfahrer wie in Windlahn Antimon abgebaut.
   Doch forschen wir weiter. Im Lesesaal der Bozner
Teßmann-Bibliothek findet man ganz hinten links im Regal 489 die Hofnamen-Bücher von Josef Tarneller (hier: Die Hofnamen des Burggrafenamtes, Wien 1909, auch nachgedruckt vom Antiquariat Unterberger, Meran 1986). Auf Seite 431 unter Nummer 2563 geht es um »N. Wangen« und den »Sibenfarr«.
   Zu Niederwangen lesen wir mit absteigenden Jahreszahlen: »1777 Gemain Niderwangen, 1714 Viertl Niderwangen, 1624 Gemain Innerwanckh, 1593 Inder Wankh, 1549 die Inder Wanger (nachpern), 1481 Inder Wanckh, 1284 Hugolin von Weineck verk. Grafen Meinhard 2 Huben zu Hinterwang AT. 181. Bei der Zerstückelung des Landes 1810 wurde N. Wangen zu Italien geschlagen, hingegen Güsmann zu Sarntal [und damit zu Bayern]. Nach der Rückkehr [ganz Tirols] zu Österreich [1813], kehrte auch die frühere Zugehörigkeit wieder.« (siehe Geschichte). Das erklärt sich daraus, dass schon bei den Römern Tanz- und Osterbach die Grenze zwischen Venetien (Venetia) im Süden und Rätien (Rætia) im Norden gebildet hatten. Der Siebenfahrer endet genau dort. Das
heutige Gießmann oder Gißmann, Gemeinde Ritten, liegt nördlich.
   Woher kommt der Name Wangen? »Wangen als Grundwort beruht auf dem mittelhochdeutschen ›wanc‹ (bzw. althochdeutschen ›wang‹), was soviel bedeutet wie ›Grasfläche, Wiese‹. Im Südtiroler Dialekt sagt man noch heute unter Bauern ›Wang‹ (mit dumpfem a, fast wie o) für eine Wiese an einer Berglehne. Es ist also ein typischer Siedlungsname, der im ganzen deutschen Sprachraum vielfach bezeugt ist. Man denke nur an das häufige Wangen (auch Wengen, so bei Bruneck im Pustertal oder in der Schweiz – hier ist sprachgeschichtlich ein Sekundärumlaut eingetreten, von a zu ä, was dann als e geschrieben wird), aber auch an alle Komposita auf -wang, so Atzwang bei Bozen, Ellwangen, Binswangen und viele andere. Dagegen gehört ›Wingen‹ meines Wissens nach nicht zu dieser Wortfamilie.« schreibt uns Hannes Obermair dazu. »In allen Fällen besteht also ein Bezug zur ursprünglichen Nutzung, eine Wiese als Weide und Flur, die als Grasfläche viehwirtschaftlich nutzbar war und natürlich gute Grundlagen für die spätere dauerhafte Siedlungsexpansion bot. Aus Wangen stammt übrigens ein für die Tirol-Trentiner Geschichte sehr bedeutsames Adelsgeschlecht, die Edelfreien von Wangen (sind natürlich längst ausgestorben), die um und nach 1200 – also in der Zeit des Hohenstaufers Friedrich II. – den wohl bekanntesten Bischof von Trient, Friedrich von Wangen, gestellt haben.«
   Zum »Sibenfarr« schreibt Tarneller: »Mitunter sogar Sibenpfarr geschrieben; 1777 Sibenfärcherhof (Acker Schlaipfegg, Anreitacker, Wismad Eschbaum), 1624 Caspar Sibenforcher paut den Sibenforcherhof, 1552 Christof Sibenfarcher, 1470 Michel Sibenvorcher zu Innder Wannkch bezeugt dass sein enne (Großvater) saelliger Kunrad Sibenvorcher jartag gestiftet habe aus dem hof zu dem Chieser in Öttenpach für alle die aus dem hof zu Sibenvorch verschaiden sind, 1434 Chuenz Sybenvorcher. ›Ze den siben vorhen‹ wie ›zu den siben aichen‹ bei Törlan.«
   Das ch wurde praktischerweise oft bloß als h geschrieben. Und Chuenz heißt einfach Kunz, Konrad. Wo das »Schlaipfegg« oder die Eschbaum-Wiese waren, weiß ich nicht – siehe auch Nummer 2566,
Schlögg –, das Anreuthel lag separat südlich des Hofes und wurde etwa in den 60er-Jahren aufgeforstet, s.o.
   Bei Tarneller weiter erwähnt sind unter
Nummer 2564. »Haslbrunn. 1624 Caspar Sibenforcher hat inen den Haslprunnerhof, 1584 Hans Haslpruner.«
Nummer 2565. »Prántl. 1777 Präntlergüetl gibt Haslprunner Hilfszins, 1696 zum Präntler in N. Wangen mit Recht von 8 Gaisen, Tail und gmain in Haslprunner Perg, 1693 zum Präntler inder Wankch«. Der Brandtler gehört heute zu Haselbrunn, ist eine Wiese mit Scheune und einer starken Quelle oberhalb Haselbrunn, die den Siebenfahrerhof bis etwa 1950 über eine 860 Meter lange Oberflächen-Holzwasserleitung versorgte,
s.o.
Nummer 2566. »Schlégg. 1777 Anton Gampenrieder besitzt das Schöggergüetl (ist one Beschwerden) mit Recht zu Holz und Ströb aus Gampenrieder Wald, 1724 Schlegger; aus dem Flurnamen Schlaifegg (Nr. 2563) zusammengezogen?« (Ohne im Original ohne h). Tarneller vermutet also den Acker »Schlaipfegg« des Siebenfahrers als Namensgeber des heutigen Schlögg. Wo dieser Acker wirklich war, müsste man noch herausfinden. Meines Erachtens wäre Schlögg als ein Acker des Siebenfahrerhofes zu weit weg.
Nummer 2567. »Gampenried. 1624 Sebastian Teschler paut den Gampenriederhof, 1522 Hans Gampenrieder.«
   Zum »Fîtschwirt« wird weiter nichts berichtet. Interessant aber, dass die Fitsch oder Fietsch, die ja auch zu Siebenfahr gehörte, ein Wirtshaus war! Das spricht dafür, dass die Straße dort unten im Tal verlief und nicht oben entlang,
siehe meine Beschreibung der Wege ins Sarntal, dort auch Literatur zur Fitsch.
Nummer 2568. »Tegggrieß. Mittegg. Auch bán Tegger; 1777 Anton Holder hat die Behausung Nr. 319, Math. Egger den Mitteggerhof, 1614 Thoman Gartenpacher hat inen den Mittegghof, 1586 Edegger.« Der heutige Egger, der letzte von Gießmann erreichbare Hof.
Nummer 2569. »Buochhof. Hofer. 1777 Joh. Gänsbacher besitzt den unabgetailten Hofer und Puechhof, 1624 Ciprian Hofer z. vom Hoferhof und vom Puechnerhof, 1481 Lienhard Hofer von Inderwanckh, 1435 Hans Hofer.«
Nummer 2570. »Stürmer. 1777 Stürmerhof, 1724 Stirben, 1624 Gertrud Aufhamerin hat inen den Stürmbackerhof (auch Stirmbhof geschrieben), 1586 Stürmer. Wohl PN. Sturmi.«
Nummer 2571. »Gensbacher. Afisbrugg. 1777 Simon Stauder besitzt den Gänsbacherhof, Joh. Weifer besitzt aus dem Gänsbacherhof Wise und Grieß, Acker und Wald bei Afingsbrugg, 1624 Jacob Sibenforer paut den Genspacherhof, 1517 Lienhart Genspacher.« Mit Afisbrugg ist wohl eine Brüche über den Afingerbach gemeint, heute Moarhäusl.
Die Eintragungen bei Tarneller haben immer wieder dieselben Jahreszahlen. Hatte er ganz bestimmte, gleiche Quellen? Es fällt auf, dass 1624 Caspar Sibenforcher den Siebenfahrerhof baute, zugleich Jacob Sibenforer den Gänsbacherhof.
   Soweit Tarneller. Luigi Lun – sein Buch «I nomi locali del Sarentino», Firenze 1943, also in der italienischen Zeit veröffentlicht, ist ebenfalls im Lesesaal der Teßmann-Bibliothek einsehbar (II 6475/6.1) –, bringt unter Nummer 1410 auf Seite 176 den Hinweis auf Otto Stolz (Band III, Teilband I, Seite 46), der noch weiter in die Vergangenheit geforscht hat und im Jahr 1288 den »Sibenvorhen« nennt.
   Jetzt noch ein, wie er freundlich schreibt, »Zufallsfund« von
Hannes Obermair vom Bozner Stadtarchiv: Die Urkunde vom 9. März 1470, mit der

»Michel Sibenuorher« – der obige Auszug ist der schöne Beginn des Originals im Deutschordenszentralarchiv in Wien – »zu Jnnder Wannkch jnn Särntein« die Messstiftung seines verstorbenen Großvaters, also »enne Kunrad Sibenuorher« bestätigt. Es wird ein Jahrzins von vier Pfund eingesetzt, der aus dem »hoff vnd guet zu dem Chiesser in Ötenbach«, dem Kieser in Öttenbach, entrichtet wird. Der Jahrtag soll für alle Vorfahren gehalten werden, »die aus vnnsserem geschlächt vnd aus dem hoff zu Sibnuorher verschaiden sind.«
   Otto Stolz berichtet unter »I. § 2. – Orts- und Geschlechternamen für Mölten und Sarntal vom 10. – 13. Jahrh.« ab Seite 45: »Der Namen für das von Bozen nordwärts ins Gebirge ziehende Sarntal erscheint im 12. Jahrhundert in der ganz deutsch anmutenden Form ›Sarentin‹«. Dann, im ersten Absatz der Seite 46: »Eine sehr reichhaltige Liste von Siedlungsnamen im Sarntal enthält das Urbar der Grafschaft Tirol von 1288.« Dieses »Urbar«, ein Verzeichnis der Abgaben an den Landesfürsten und damit zugleich die Liste seiner Besitztümer, hatte Tarneller nicht gekannt, und Stolz hatte nur eine Abschrift von O. Zingerle. Er nennt aus diesem »urbor von Sarentin« 24 Nachbarschaften oder Teilgemeinden und zahlreiche Einzelhöfe, unter anderen »Genspach«, dann in »Inrwanch (Wangen) Sibenvorhen«, eben den Siebenfahrerhof!
   Der hochinteressante Artikel »Ein Sarntaler Urbar aus der Zeit Meinhards II. (+ 1295)« in der Zeitschrift Schlern vom Jahr 1977, Seite 499f, beschreibt dieses von Stolz auf 1288 datierte landesfürstliche Urbar. Sowohl Stolz als auch alle Schlern-Hefte stehen im Lesesaal der Teßmann-Bibliothek. Doch welch Wunder: Das kleine »Vrbar von Saerentin« aus zehn Pergamentblättern, wovon 17 Seiten (im Format 25 mal 16 Zentimeter) beschrieben sind, kann gleich daneben im Bozner Landesarchiv (nicht im Staatsarchiv), in dem wir schon die Verfachbücher des 19. Jahrhunderts gefunden hatten, problemlos eingesehen werden! Es umfasst etwa hundert Höfe. Im Schlern-Artikel wird belegt, dass der adelige Herr Alberto von Wangen, wie er am 6. Jänner 1287 bestätigt, seinerzeit dem weiland Perchtung von Meies einige Höfe verkauft hat, und dass dieser Besitz samt »Grundherrlichkeit« dem Tiroler Landesfürsten Meinhard II. übergeben worden sei. Die Herren von Wangen starben um 1300 aus.

Die wohl älteste Erwähnung des »Siebenförchers«

   In diesem sehr schön geschriebenen Urbar Meinhards II von 1288 im Bozner Landesarchiv finden wir auf Seite 5 recto (also der Vorderseite) als zweiten Eintrag:

          Der hof ze sibenvorhen · von dem Wangær · giltet ein mutte wait
          zen · Sehs mutte roken · Ein mutte gersten · Zwen mutte habern · Und
          aht phunt · der git er vieriv an sand martines tage · Und vieriv zu
          mittervasten · Driv fleisch · Ein lamp · Ein chitze · Drizic ayr · Und
          ein lebendigez Schaf · zehen schillinge wert · Und ein halbes schaf.

De hoc curia
depereunt omni
anno libre IIII

   Wieviel eine Mutte war, schrieb mir Frau Gaiswinkler: 1 Mutt = 30 Metzen, 1 Metzen = 1,9471 Liter, 1 Mutt = 58,413 Liter – oder 480 Massel, oder 1920 Futtermassel oder 3.840 Becher. Hier und hier mehr dazu; Massel auch Maßel geschrieben. Mitterfasten ist der vierte Sonntag in der Fastenzeit, Lætare, also zwei Wochen vor Ostern; der Sankt-Martins-Tag immer der 11.11. Das v ist wie ein u zu lesen, und das lange S wie in der Fraktur haben schon die alten Römer zum Platz- und Zeitsparen so genutzt. Dass Deutsch damals keine Groß- und Kleinschreibung und dafür freie Wahl der Interpunktion hatte, werden Schreibreformer ganz nebenher schätzen. Auch die im Februar 1300 zugefügte lateinische Randnotiz konnte mir Hannes Obermair entziffern: Von diesem Hof gehen jährlich vier Pfund verloren oder ab. Und er erklärt das so: »Die landesfürstlichen Wirtschaftsbeamten Herzog Meinhards II. von Kärnten-Tirol monierten einen jährlichen Abschlag oder Einkommensverlust in dieser Höhe, warum auch immer (Ernteausfall oder Ähnliches). Die tirolischen Rechnungslegungen dieser Zeit waren europaweit führend in ihrer beinahe ›bürokratischen‹ Genauigkeit. Hier werden jene organisatorischen Grundlagen sichtbar, die Meinhard wohl erst erlaubt haben, den Passstaat Tirol zu schaffen und zusammenzuhalten.« Schon damals Subventionen? (Mehr zu diesem Urbar, dem »Landesfürstlichen Urbar von Sarnthein, um 1290, ›Daz ist der gelt in Sarentin‹«, einer Handschrift auf Pergament, 10 Blatt, 26 mal 26,5 cm, Halbleinen, steht bei Kaser, Verzeichnis 47, bei Böhm, Handschriften n. 541, bei Santifaller, Archive Deutschsüdtirols 157 n. 4, bei Mahlknecht, Sarntaler Urbar, und bei Haidacher, Urbar 227–238.)

   Ein lateinisch geschriebenes Urbar von 1372, das über die Einkünfte der Pfarre Sarnthein berichtet und sich auf eine Vorlage aus dem Jahr 1274 bezieht, wurde von B. Schwitzer im 3. Band der tirolischen Geschichtsquellen (1891) auf Seite 361 und den folgenden herausgegeben. Das haben wir uns nach dem Fund in Bozen nicht mehr angesehen.
   Christine Roilo vom Landesarchiv fand noch eine interessante Urkunde aus dem frühen 15. Jahrhundert, einen Eintrag im Verfachbuch Sarntal 1591–1592, folio 1–4, vom 2. März 1420, »samptztags vor reminiscere«, die vermuten lässt, dass der Siebenfahrer mit anderen Höfen in der Umgebung im Besitz eines vermögenden Grundherrn war, dem Meraner Bürger Hermann Wirtlein. Er verleiht den ›Sibenvorchern‹ auf den halben Hof, den sie wohl in Erbpacht bewirtschafteten, den Zehnten; eine wichtige Einnahmequelle.
   Der Inhalt, von Frau Roilo zusammengefasst aus weitschweifigen Floskeln ( ... bekenn mit dem Briefe für mich und für alle mein Erben und teue chunt allen, den die den offnen Brief anshend, hœrend oder lesnd ... ):
   »Niclas der alt Sibenvorcher zu Innerwanckh in Serntein bekennt, von Horman Wirtelein in Meran, jetzt in Mayse gesessen, zu Lehen erhalten zu haben: den Zehent auf dem halben Hof zu Sibenvorcher, gelegen zu Innerwankh in Serntein, dazu den Berg genannt das Aichholtz, auch gelegen zu Innerwankh zwischen den zwei Höfen Champenriede und Sibenvorchener.
Ottle Sibenvorchener zu Innerwankh in Serntein bekennt, von Hermann Wirtelein zu Meran, jetzt in Mays gesessen, zu Lehen erhalten zu haben: einen halben Acker genannt Fleyssagker, gelegen unter Haselbrunn zu Innerwankh, den halben Teil einer halben Wiese genannt das Aigen, den halben Teil des halben Berges, gelegen an der Wiese (die anderen Teile hat Nikle der junge Sibenvorcher, sein Vetter).
Petter Sesner in der Dikch in Serntein bekennt, von Herman Wirttelein von Meran, jetzt gesessen in Maise, zu Lehen erhalten zu haben: einen Zehent auf dem Sesnerhoff, gelegen in der Dikch in Serntein.
Weygant Dorffler auf dem Redelsperg in Serntein bekennt, von Herman Wirtelein von Meran, jetzt gesessen in Mayse, zu Lehen erhalten zu haben: einen Zehent auf dem ganzen Hof genannt Stuffhoff, gelegen auf dem Redelsperg in Serntein.«
   Soviel aus alten Dokumenten, und innigen Dank den Experten des Landesarchivs!

Anhang:

Das Testament der Großeltern Anton und Mariann Hödl

Anton Hödl, 1964 Marianne Hödl, 1964

Anton Josef Hödl, geb. 19.12.1881 in Innsbruck, gest. 1.2.1972 in Bozen, 90-jährig.
Mariann Elisabeth Hödl, geb. Fillunger 19.11.1891 in Orlau, gest. 19.7.1971 in Salzburg, 79-jährig.
Beide begraben in Sarnthein.

Hier Bilder aus dem Jahr 1964, ein weiteres Foto bei den Lebenserinnerungen Hödls.

Erklärungen zu meinem Testament.

1. Errichtung einer Fideikommissarischen Substitution. Das italienische Codice Civile bestimmt in Artikel nn: »Die Erbfolge wird, wo immer die hinterlassenen Güter sein mögen, bestimmt durch das Gesetz jenes Staates, welchem der Verstorbene im Zeitpunkt des Todes angehörte.« Demnach ist für uns das österreichische Recht hinsichtlich der Erbfolge maßgebend. Nach österreichischem Recht kann eine Fideikommissarische Substitution ausgesprochen werden, durch welche der Erblasser bestimmt, an welchen Nacherben der Besitz nach dem Tode des oder der ersten Erben zu fallen hat. Von dieser Bestimmung mache ich im Testament Gebrauch.

2. Die Absichten, von welchen ich hierbei ausgehe, sind Euch, meinen Kindern Heinz und Mariann, wohl bekannt:
   Der Siebenfahrerhof und sein Wald sind uns vier heutigen Besitzern, weit über den materiellen Wert hinaus, ans Herz gewachsen. Würde er von unseren Erben verkauft, so wäre der Erlös, wie in vielen ähnlichen Fällen, bald in alle Winde verstreut.
   Ihr beide, unsere Kinder, werdet den Hof sicher so weiter führen, wie wir beide es getan haben. Ihr werdet, wenn nicht außergewöhnliche Entwicklungen Euch zu anderen Schritten zwingen, lieber weniger Holz entnehmen als zulässig ist. Vor allem aber werdet Ihr beide Euere Verfügungen sicher im besten Einvernehmen treffen.
   Diese Gewähr ist hinsichtlich unserer Enkel nicht mehr gegeben. Es ist beinahe unmöglich, daß sie, unter den verschiedensten Bedingungen aufwachsend, das gleiche Verständnis für den Hof und vor allem das gleiche harmonische Einvernehmen untereinander besitzen wie Ihr Kinder. Deshalb bestimmen wir, daß unser ältester Enkel Fritz unsere beiden Viertel des Hofes erhält, sobald diese von den beiden Vorerben Heinz und Mariann weiter vererbt werden.

3. Fritz wird nach Ableben seiner Mutter und seines Onkels die heute seinen Großeltern gehörenden Viertel, ferner den Erbteil aus dem Viertel seiner Mutter, demnach mehr als die Hälfte des Siebenfahrerhofes besitzen. Es kann der Fall eintreten, daß einer seiner Stiefgeschwister oder Vettern wünscht, daß Fritz auch dessen Anteil übernimmt. – Wir empfehlen unseren Enkelkindern, daß sie sich in einem solchen Fall auf Bewertung ihrer Besitzanteile nach dem kapitalisierten Ertragswert des Hofes einigen. Der bestehende Waldwirtschaftsplan wird eine verläßliche Grundlage für Erfassung des Waldertrages geben. Das Erträgnis der Landwirtschaft könnte, wenn sich die Verhältnisse nicht wesentlich ändern, außer Betracht bleiben, da es derzeit für Steuern, Spesen, Instandhaltung und dergleichen verbraucht wird.

4. Wir fordern unsere Kinder und Enkel auf, etwa entstehende Meinungsverschiedenheiten friedlich zu lösen. Wir erwarten insbesondere von Fritz als dem von seinen Großeltern zur Mehrheitsübernahme bestimmten Enkel, daß er seinen Geschwistern und Vettern bei der eventuellen Übernahme von deren Anteilen großzügig entgegenkommt. Insbesondere möge der Hof ein Band zwischen allen unseren Enkeln bleiben auch dann, wenn der eine oder andere nicht mehr Mitbesitzer bleiben sollte.

5. Durch die Bestimmung des Fritz als Nacherbe nach unseren Kindern Heinz und Mariann wäre wahrscheinlich der Hof zunächst kaum verkäuflich. Sollten jedoch außerordentliche politische oder wirtschaftliche Verhältnisse eintreten, welche den Verkauf als unbedingt notwendig erscheinen lassen sollten, so soll Fritz über gemeinschaftlichen Antrag von Mariann und Heinz die Zustimmung zum Verkauf geben. Der halbe Erlös gehört gemäß Substitution dem Fritz und ist möglichst sofort in Grundbesitz anzulegen. Wir raten auf Grund einer langen Lebenserfahrung unseren Kindern und Enkeln dringend, Barbeträge, gleichgiltig ob sie aus unserem Erbteil oder woher immer stammen, in Realbesitz innerhalb eines geordneten Staatswesens anzulegen.

Bozen, am 3. Juni 1964

Soweit das Testament.
Und noch ein von Großvater abgeschriebenes Zitat aus dem Faust, zweiter Teil, 4. Akt:
Du weißt, das Bergvolk denkt und simuliert,
Ist in Natur- und Felsenschrift studiert.
Die Geister, längst dem flachen Land entzogen,
Sind mehr als sonst dem Felsgebirg gewogen,
Sie wirken still durch labyrinthische Klüfte
Im edlen Gas metallisch reicher Düfte;
Im steten Sondern, Prüfen und Verbinden
Ihr einziger Trieb ist, Neues zu erfinden.
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Fritz@Joern.De - www.Joern.De - ©Fritz Jörn MIM
Am Siebenfahrer vor 1950
Wege ins Sarntal und speziell zum Siebenfahrer
Wo der Hof liegt
Eine Geschichte um den »Siebenfarrer« aus Napoleonischer Zeit
Die Lebenserinnerungen von Anton Hödl
Drei Sommer in Tirol/Bozen — Eppan — Sarnthal von Ludwig Steub, 1846, Seite 398—404
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Stand 10.II.MMIV